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Völker und Kulturen der Welt
Deutsche Völker und Kulturen

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Der hier wiedergegebene Text enthält alle im Mittelalter als deutsch geltenden Völker. Er stammt im Original aus der Cosmographia von Sebastian Münster und wurde nicht verändert. Es handelt sich um das bekannteste geographische Werk aus dem ausgehenden Mittelalter, welches 1544 in Latein verfasst wurde und 50 Jahre später auch auf Deutsch erhältlich war.

Sebastian Münster wurde 1488 als Sohn einer bäuerlichen Familie der Oberschicht in Ingelheim / Rhein geboren. Er war Theologe und Hebraist und wirkte unter anderem in Tübingen, Heidelberg und Basel. Im Jahre 1505 trat er dem Franziskanerorden bei. Von 1515 bis 1518 arbeitete er als Lektor für Philosophie im Franziskanerkloster in Tübingen und erhielt dort eine mathematische Ausbildung, die ihn dazu bewog, sich fortan verstärkt den Naturwissenschaften zu widmen. Sein gewaltiger Wissensschatz und seine Kenntnis, die ihm später diente, das erste große gedruckte Lexikon im deutschsprachigen Raum herauszugeben, mag in dieser Zeit entstanden sein.

Ab 1521 war er Franziskanerlektor in Heidelberg, wo er philologische Untersuchungen zur hebräischen und aramäischen Sprache publizierte. Er widmete sich ab Mitte der 1520er Jahre verstärkt cosmographischen Themen. Auch er wurde von der Reformationsbewegung erfasst und bekannte sich 1529 zur lutherischen Lehre. Daraufhin zog er nach Basel in die Schweiz und heiratete dort die Witwe eines Buchverlegers, wodurch er 1535 auch das Basler Bürgerrecht erhielt.

Sebastian Münster arbeitete nach der Verfassung seiner hebräischen Bibelausgabe an seiner Weltbeschreibung, die in 6 Büchern mit damals hochmodernen Druckverfahren herausgegeben wurde. Dabei wurden ihm seine Vorarbeiten in Form der intensiven Reisen am Oberrhein zum Vorteil. In der Cosmographie ist das gesamte damalige historische und geographische Verständnis, aber auch naturwissenschaftliches Wissen zusammengefasst.

Das Werk wurde auch hochgeachtet wegen der vielen Illustrationen und Karten (unter anderem von Hans Holbein dem Jüngeren und David Kandel aus Strassburg). Münster starb 1552 in Basel. Sein Porträt ist uns von dem alten 100-DM-Schein bekannt, der bis 1997 in Umlauf war.



Originaltext aus dem 16. Jahrhundert


Es einen wunder möchte nemmen, wo das Volck alles her komme were, das ist sonderlich wohl schein in den Langobarden, Cimbern, Nortmännern, Gothen, rc. Auß diesem magst du nun wol mercken wie es zugangen ist, daß die alten Nammen der Lääaeänder am Rhein und Thonaw also gar in ein verenderung kommen sind. Dann der gemein Mann weißt nichts mehr zu sagen von diesen Nammen Heluetia, Rhaetia, Vindelicia, Noricum, Pannonia, die an der Thonaw hinab liegen, sonder an ihr statt sind kommen, Schweitzerlandt, Bodensee, Lintzgoeöw, Allgöoew, Beyerlandt, Oestereich, Ungerlandt. Also am Rheinstrom sind diese Nammen Sequani, Tribochi, Nemeres, Vangiones, rc. verendert, und newe Nammen durch newe Voeölker erwachsen, Sunggoeöw, Eyfel, Braband, Gellern und Holand. Man theilt vor zeiten die Laeänder von einander durch Berg und Wasser, aber jetz und scheiden die Spraache, Regiment und Herrschaften ein Landt von dem andern. Und demnach nennen wir zu unsern zeiten Teutschlandt, alles das sich Teutscher Sprachen gebracht, es lige gleich uber oder hie jenet dem Rhein oder Thonaw. Und streckt sich also jetz und Teutschlandt in Occident biß an die Maß, ja auch etwas darüber im Niderlandt, da es an Flandern reicht. Aber gegen Mittag spreitet es sich biß an die hohen Schneeberg, und in Orient stoßt es an Ungern und Polandt. Aber gegen Mitnacht bleibt es am Meere wie vorlangen zeiten.

Von den alten Voeölckern Teutscher Nation
Cap. viij.

Vor alten Zeiten ist Teutschlandt nicht also gescheiden und zertheilt gewesen in mancherley Hertzogthummen, Füuerstenthummen, Graffeschafften, Bistumben und Apteyen, wie zu unsern zeiten. Sie haben auch kein sonderliche Stett, Schloeösser, unnd andere wehrliche Fläcken gehabt, sondern gewohnet in Pagis, das sind Goeöw od zerstrewte Doeörfer, alß da ist Nordgöoew, Hegoeöw, Kreichgoeöw, Meyngöoew, Zabergöoew, Brißgöoew, Kleckgöoew, Algoeöw, Rheingöoew, und dergleiche viel hundert. Wo ein menge des Volcks hat ein gegenheit inngehabt, mit höfen und offnen Wohnungen, habe sie es ein Goeöw genennt. Und ob schon Ptolemeus viel Stett erzehlt im Teutschlandt, sind doch das nicht umbmawret und wehrliche Stett gewesen, sonder ettliche fürnemme Doeörffer, also findet man von den eltisten Vöoelckern, die im Teutschlandt ihren Nammen behalten haben, alß nemlich die Schwaben, daß sie haben inngehabt hundert Pagos oder Goeöw, darauß sie alle jar vermochten viel tausent Mann zum Krieg bringen, und doch der Ackerbaw auch versehen ware.

Weiter sind ich viel alter und dapfferer Männer die von den Teutschen geschriben haben, mit Nammen Berosus, der dreyhundert jar ungefehrlich vor Christi geburt geschriben. Strabo der zu den zeiten Christi hat gelebt, Cornelius Tacitus der und Hadriano: das ist, zwentzig unnd hundert jar ungefehrlich nach Christi geburt geschriben hat, un Ptolemeus der auch zu derselbigen zeit, oder ein wenig darnach, wie dann auch Plinius gelebt hat. Den Berosum wöllen ettliche verwerffen, darumb daß er, oder das Buch so under seinem Nammen außgegangen ist, mit andern nicht gleich zustimpt. Darzu weiß ich nicht zu reden; das weiß ich wol, so viel antrifft die Hebraischen Woeörter, dere viel sind, ich kein impostur oder trug darinn, ja sie zwingen mich de Buch glauben zu geben, besonder dieweil zu derselbigen zeit da Berosus bey uns durch ein München herfür kommen ist, niemand under den Christen gewesen ist, der in der Hebraischen Spraache ein bericht hab gehabt. Wer wolte de ungelehrten München gesagt haben, was Estha, Maeia, Arecia und Ruha wer gewesen, die d frembden Spraachen gar unwissend sind gewesen ? Doch will ich nicht darwider fechten, daß nicht und das gute etwas unkrauts vermischet sey worde durch ein freffele Mensche.

Nun sind ich in Beroso von den alten Teutschen also geschribe: Tuisco von welchem Teutschlandt den Nammen hat empfangen, hat diese Kinder gehabt, Mannum, Ingeuon, Isteuon, Hermion, Marsum, Gambriuium, Sueuum, Wandalum, Hunum, und Teutonem. Von Marso sind kommen die Thiermarsen und Wilsermarsen. Von Wandalo sind kommen die Sarmaten: das ist, die Reussen, Polecken und Böhemen, Winden und Crabaten, die Gambriuio finden wir kein verlassne Voeölcker. Ettliche sprechen auch, dz d gemeldt Sueuus König sey gewesen im Teutschlandt zu der zeit da Baleus der eylffte König zu Babylon hat regiert. Da mag nun niemand ein satt Urtheil fellen, dann die zeit ist zu lang. Von Strabone werden diese Vöoelcker gesetzt, die zu den zeite Christi im Teutschlandt gewesen sind, Bructeri, Sueui, Coldni, Marcomanni, Luij, Zumi, Butones, Mugilones, Sibini, Senones, Sicabri, Catti, Gambriuij, Chattuarij, Chaubi, Cimbri, Caulci, Campstani, Visurges, Cherusci, Catisci, Ampsani, Chenisci, Landi, Subattij, Heumunduri, Boij. Cornelius der hundert jar hernach kommen ist, unnd mit großem fleiß Teutschlandt beschriben hat, so viel einem außländigen Römer hat mögen zuwissen werden, gedenckt dieser Völcker, die zu seiner zeit in Teutschlandt gewesen sind, Catti, Vsipetes, Teucteri, Bructeri, Frisi, Cherusei, Cimbri, Longobardi, Marcomanni, Quadi, und andere viel mehr. Plinius spricht, daß die Teutschen werden in fünff Geschlecht getheilt. Das erst nennet er Wandalen, under welchen begriffen werde die Burgundiones, Varrini, Carini, und Guttones. Das ander Ingeuones, und die haben under ihnen gehabt, die Sicambros und Teutones. Das dritt Isteuones, die under ihne gehabt die Cimbros. Das vierdt Hermiones, zu welchen gehört haben die Schwabe, Hermunduri, Catti und Cherusci. Das fünfft Peucinos und Basternas.



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